Sonntag, 15. Juni 2008

Freiheit hat einen Preis

ah, da hast du mich aber schon etwas entwaffnet. Du weißt, wie sehr ich deine Haltung schätze, ja bewundere. Deine Argumente stechen aber nur, solange man die Ebenen der Öffentlichkeit vermischt.
Da gibt es, denke ich, die Ebene des Tagebuchs, also eines Ortes, dem man seine persönlichsten Dinge anvertraut, um sie zu dokumentieren oder auch zu verarbeiten. Das Tagebuch ist nicht öffentlich, es ist der Platz für das Intime, ähnlich wie ein Liebesbrief.
Dann ist da die Ebene der Meinungsverkündung, etwa wie ein Kommentar in der Zeitung. Der wiederum braucht Öffentlichkeit, sonst ist er sinnlos (oder als "Zustandsbeschreibung" à la Tagebuch nur für den Schreiber gedacht).

Daneben lassen sich vermutlich noch weitere Ebenen von Öffentlichkeit für Blogs finden. Egal. Wenn man nun diese Ebenen vermischt, kommt alles durcheinander. Der Leser deiner Meinungsäußerungen (Politik, Beziehungen, Filme etc.) erhält einen so tiefen Einblick in deine "Seele", dass er seine Meinung über deinen Standpunkt immer mit seiner Wahrnehmung deiner Person färben wird. Das ist für Freunde, die dich kennen ok, für Fremde aber nicht, es ist kontraproduktiv für die argumentative Ebene.
Stell dir mal vor, ein hochrangiger Politiker würde öffentlich so schreiben, wie du es in deinen anderen Blogs tust. Da erfährt man, wie du zu Weihnachten Kartoffelsalat mit Bruder und Vater machst (harmlos), was du an dir selbst besonders liebst (weniger harmlos) und wie du in Spaniens Bars auf den Tischen tanzt (nicht harmlos). Bilder gibts vielleicht auch noch dazu. Sagen wir also, du wärst Angela Merkel. Wie groß wäre dann die Gefahr, dass man dich mit verdrehten "Tatsachen" aus deinem "Tagebuch" auf politischer Ebene ausschaltet? Du wirst unwirksam. ... und das Web vergisst NICHTS!

Versteh' mich bitte so: Natürlich ist es wichtig, das Leben zu leben, das man propagiert. Nur dadurch ist man authentisch. Andererseits muss man oft auch das Fremdbild bewusst steuern und in den persönlichsten Bereichen für eine breite Öffentlichkeit wenigstens zu Lebzeiten unsichtbar bleiben. Wie du das mit guten Freunden und Familie hältst, ist wieder eine andere Sache. Dafür bietet so ein Blog ja z.B. die Möglichkeit geschlossener Benutzerkreise. Um es auf den Punkt zu bringen: Manches geht die meisten Leute einfach nichts an.

Freiheit durch Begrenzung? Ja! Denn die Bilder, die andere von uns haben sind wie zu enge Kleider. Je dichter diese Bilder werden, desto weniger Luft bekommst du. Manche legen es deshalb sogar darauf an, die "persönliche Geschichte" auszulöschen, um frei zu sein. Habe ich mal gelesen ;-) Das klingt vielleicht wie eine ganz andere Story, ist es aber gerade im Internet nicht.

Ich glaube dich gut zu kennen - auch aus deinen Blogs - und muss deshalb aufpassen, dass ich dich nicht durch mein Bild von dir begrenze (vermutlich kann ich das trotzdem nicht verhindern). Nicht jeder ist sich dessen aber bewusst, nicht jedem ist die Freiheit des Anderen wichtig.

Kurioser Weise hat unser Gespräch schon dazu geführt, dass du ein paar Bilder aus deinen Alben genommen hast. Auch für mich fühlt sich das erstmal als Begrenzung an. Ich finde es einfach schade, dass ich an diesen Stellen nicht mehr an deinem Leben teilhaben darf. Aber unter dem Strich ist es für dich die Chance, die Dinge deines Lebens ohne Einmischung von außen sich entwickeln zu lassen, bis sie reif sind für Öffentlichkeit, oder auch nicht. Freiheit eben!

Freiheit hat einen Preis.

Freu' mich auf deine Antwort!

Hel, die gluckenhafte Freiheitsdiebin

Freitag, 13. Juni 2008

Freiheit durch Begrenzung?

Es scheint mir ein großer Widerspruch zu sein, dass man sich gerade um frei zu sein einschränken muss. Ich nehme meine Freiheit eben dadurch wahr, dass ich mich nicht verstecke. Ich genieße es, die Möglichkeit zu haben, mich der Welt zu zeigen, so wie ich es will, und so wie ich bin! Was ich in meinen Blogs schreibe betrifft mein Leben, betrifft meine Ansichten, und alles was ich tue und sage kann ich vertreten und will ich nicht verleugnen.

Banken, Industrieunternehmen und Militärorganisationen, die meine eigenständige Art zu denken nicht akzeptieren können, interessieren mich als Arbeitgeber nicht. Ich glaube daran, dass ich um zu wirken, das heißt meine Ideen in der Welt zu verwirklichen, auch selbst so leben muss, wie ich es mir von anderen wünsche. Offen, ehrlich, vertrauensvoll und ja, auch etwas weltverbesserisch! Sozialromantik oder auch Idealismus ist nichts Verwerfliches, sondern meiner Meinung nach eher das Gegenteil. Misstrauen erschafft Misstrauen!

Macht etwas durchzusetzen kommt für mich aus meiner Persönlichkeit. Für mich lautet der Satz eher: Wer Wirken will braucht Mut! Wie soll ich rechtfertigen, dass mir andere Vertrauen und verlangen, dass sie mich verstehen, wenn ich ihnen dazu keine Informationen gebe. Ich versuche alles, mir keine Feinde zu machen, und wenn es dennoch jemand versucht, mir ein Bein zu stellen, dann bin ich als jemand, der nichts zu verbergen hat, noch immer in der besseren Situation.

Was die Folgen für andere angeht, so muss ich dir ein Stück weit Recht geben. Ich kann von niemandem verlangen, dass er dieselbe Offenheit wie ich an den Tag legt, weil er meine Meinung teilt. Wenn ich jemanden bei einem Treffen oder auf einer Reise fotografiert habe, und denjenigen dann online sichtbar ausstelle, dann hoffe ich, dass derjenige nichts zu verbergen hat, was womöglich nicht bei allen stimmt. Das kann ich nicht beurteilen und sollte vielleicht bei Einzelnen zurückhaltender sein.

Ich schreibe aber auch nichts Nachteiliges oder Gemeines und stelle keine kompromittierenden Fotos aus. Ich muss auch bemerken, dass die allermeisten meiner Freunde bereits sehr offen im Internet vertreten sind. Sie sind per Facebook oder Blog vertreten und viele stellen Fotos und Kommentare aus, was mir zeigt, dass sie die virtuelle Welt ähnlich behandeln, wie die reale. Sie gehen unter Leute, denn nichts anderes ist es, wenn man im Internet auftritt (daher auch das Wort "Internetauftritt").

Wenn ich online etwas schreibe, dann ist das ein Gesprächsangebot an jeden, der das sieht. Wieso sollte ich lieber unsichtbar bleiben? Ich bin gespannt auf deine Antwort! Sei ruhig offen, ich bin nämlich weder mies noch eifersüchtig, aber das weißt du ja bereits...


PS: Ich und langweilig? Lass dir was Besseres einfallen ;-)

Donnerstag, 12. Juni 2008

„Viele Menschen merken erst später, was sie anrichten“

Das o.g. Zitat von einem Kommentator auf der in deinem letzten Beitrag verlinkten Seite "Exhibitionismus im Internet" finde ich wert, genauer darüber nachzudenken.
Dazu meinen Input:
Das "Anrichten" hat mehrere Aspekte: 1. Anrichten für sich selbst, 2. Anrichten für Andere.

zu 1.: Ich nehme mal an, du hast mit der Veröffentlichung deines Tagebuchs, um nichts anderes handelt es sich ja bei deinem Blog (vermute, du hast sogar mehrere ;-)) dich bewusst entschlossen, die Welt an deinen Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben zu lassen. Das verstehe ich natürlich, wenn es sich bei deinen Lesern um gute Freunde und Familie handelt. Was treibt dich aber in die globale Öffentlichkeit und damit in das Risiko, dass man dein Profil schamlos ausnutzt, verfremdet, gegen dich verwendet. Ich kenne dich aus deinem persönlichen Blog mittlerweile so gut, dass ich dich ohne Weiteres als "Sozialromatiker" identifiziere, der z.B. in einer Bank, einem Industrieunternehmen, beim Militär sich ständig verleugnen müsste, um in eine Position zu kommen, die ausreichend Macht bietet, um die angestrebten Veränderungen zu bewirken. Versteh mich bitte so: Nicht deine Haltung verhindert so einen Weg, sondern deine sofortige Durchschaubarkeit, noch bevor du zum Zuge kommst. Meine vielleicht etwas plakativen Thesen dazu:
  • Wer frei sein will, muss unsichtbar bleiben.
  • Wer wirken will, braucht Macht.
  • Macht braucht gesteuerte Öffentlichkeit.
  • Menschen ohne Geheimnis werden angreifbar und schnell langweilig für Andere.
zu 2.: Jetzt kenne ich deine Freunde, deine Familie, deine Aufenthaltsorte. Willst du das wirklich? Hast du diese Menschen gefragt, ob sie in deiner persönlichen Boulevardzeitung namens Picasaweb auftauchen wollen? Was, wenn ich ein mieser eifersüchtiger Typ wäre, der das Web nutzt, um dich fertig zu machen, deine Freunde mit hineinzieht. Willst du dieses Risiko für deine Freunde wirklich eingehen?

Das sind nur so'n paar Gedanken, um unser Gespräch in Gang zu bringen. Nimm kein Blatt vor den Mund, ich bin nicht empfindlich!

Hel, die gutmeinende "Bild"-Journalistin

Sonntag, 8. Juni 2008

Wer bin ich im Internet?

Wenn ich in meinen Blog schreibe, tue ich das aus verschiedenen Gründen. Es ist eine Methode um Kontakt mit Bekannten und Freunden zu halten, indem man sie informiert, was man gerade erlebt hat. Es kann auch eine Plattform sein um Bücher oder Filme zu empfehlen, oder im glossenhaften Stil aktuelle Meldungen zu kommentieren. Viele nutzen ihren Blog um sich selbst und ihre Gedanken öffentlich zu äußern. Ich habe von allen diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht und hoffe, dass meine Blogs für den einen oder anderen interessant waren und sind. Auch ich habe viel aus fremden Blogs gelernt und lese einige von ihnen weiter täglich.
Vor Kurzem wurde ich einer Diskussion wieder darauf aufmerksam, was unter dem Schlagwort "Exhibitionismus im Internet" in den deutschen Medien behandelt wird. Es handelt sich dabei um eine Diskussion zum Datenschutz und zur Bereitschaft vieler, vor allem junger Internetbenutzer, sich mit vielen persönlichen Details im Internet "auszustellen".

Ich fühle mich nicht als Exhibitionist! Ich fühle mich als aufgeklärter und dabei bewusst offener Nutzer meiner Möglichkeit zum Kontakt mit den anderen Usern von Communities und den Lesern meines Blogs. Ich profitiere davon, meine Meinung und mein Wissen in beinahe periodistischer Form in meinem Blog niederzulegen und auf der anderen Seite in Facebook oder StudiVZ mit meinen weltweit verstreuten Freunden in Kontakt zu bleiben.
Ich frage mich, wo ist die große Gefahr, die ich damit eingehe, wenn ich bewusst als Person im Internet präsent bin?