Sonntag, 13. Juli 2008

Beleidigungen in fremdem Namen

Da hat mir jemand diesen Artikel aus der Augsburger Allgemeinen zugespielt. Was sagste nu? Wie würdest du nun damit umgehen, wenn dir das passieren würde?

Es grüßt Hel, die Hartnäckige

Donnerstag, 10. Juli 2008

Kommentar aus Nahu-Perspektive

Hier ein Beitrag eines Lesers dieses Blogs (Nahu-Jack):

**** Zitat Anfang ****
In einem Kosmos, der seine Grenzen verloren hat, und in einer ausufernden Gesellschaft, in der Fixpunkte Mangelware sind , werden Selbstfindung, Selbstverständnis und Selbstdarstellung zu einem ganz neuen Abenteuer. Ratloser wie eh und je stehen junge Menschen vor den Fragen: Wer bin ich? Wie soll ich sein? Wie will ich sein? Wie werde ich wahrgenommen? Wie unterscheide ich mich von anderen? Wie weit kann und will ich mich anpassen? Vorbilder? Welche Werte kann man glaubhaft leben? usw. usw.
Wen wundert es also, wenn sich der Zeitgenosse - und nicht nur der junge – dorthin wendet, wo sich plötzlich Möglichkeiten zu einer mühelosen, nie dagewesenen Kommunikation aufgetan haben, wo mit Zeichen, Wörtern und Bildern vom Primitivsten über Wissenswertes, Bedenkliches und Verbrecherisches bis hin zum virtuellen Mehrfach-Leben einfach alles schrankenlos transportiert wird.

Diese „Brave New World“, die nicht einmal A.Huxley (gest.1963) und J.Verne geahnt haben, ist in kurzer Zeit also zu einer Zweitwelt ausgewachsen, wo eben auch das Gefährliche und Böse seinen Platz einnimmt. Das kann kein Grund sein, um das Ganze zu verteufeln.
Aber es ist schon notwendig, den Blick auf die negativen Seiten zu richten, damit das Positive nicht unversehens zurückgedrängt wird. Gefahren müssen erst einmal erkannt werden, ehe man sich dagegen wappnen kann. So haben wir eine Menge Abwehrmechanismen gegen reale Naturgewalten, Mikroben, Raubtiere, Irre, Mörder, Betrüger, Spione, Kriegstreiber und dergleichen geschaffen. Die Markierung und Abwehr vergleichbarer Bedrohungen im WWW verharrt noch bei zögerlichen Versuchen. Auch das sollte nicht verwundern. Denn welcher echte User möchte schließlich die neue wunderbare Freiheit durch neue, immer enger gezogene Schranken abgewürgt sehen.

Zum Blogschreiber:
• Gedanken und Gefühle werden bei der schriftlichen Fixierung verändert.
• Entwicklung und Festschreibung schließen einander aus.
• Wer sein Profil veröffentlicht, schreibt einen erstrebenswerten oder erreichten Zustand auf Dauer fest.
• Er hat dabei einen Kreis von Adressaten im Auge, von denen er, wie beschrieben, gesehen werden möchte.
• Auf diese Weise legt er sich selber Zügel an, weil er wesentlich so werden und bleiben sollte.
• Er bekommt Imageprobleme. Erschwert oder verhindert wird auch die Bildung einer „Persona“ (= erweiterter psychol. Begriff nach der griechischen, typisierten Schauspielermaske für „den“ Pfarrer, Lehrer, Streetworker, Opa, „die“ Mutter, Richterin, Krankenschwester usw.)
• Nachträgliche Profiländerungen müssen von niemandem registriert und akzeptiert werden.
• Mißverstehende Dummköpfe, böswillige Mitleser, wortverdrehende Interpreten und Speicherer muß er ignorieren.
• Als irrelevant gelten für ihn auch die Überwachung durch innerstaatliche Schnüffler und auswärtige Geheimdienste. Ihre Konjunktur speist sich aber aus einer wachsenden weltweiten Furcht gerade vor Einzeltätern und Kleingruppen.
• Mit einem grundlegenden Wandel der Beurteilungskriterien (Systemänderung) darf er nicht rechnen.

Natürlich muss man sich nicht wegen jeder Nachricht, jeder Meinungsäußerung, jedem Bildchen
in die Hose machen. Aber die große Freiheit bleibt nach wie vor ein Ideal, das in der menschlichen Gesellschaft keine Heimat findet.
• Freiräume schafft man sich eher durch Verschwiegenheit.
• Das reale Gute wird durch situationsgerechtes Tun bewirkt.
• Reden über Meinungen kann im besten Fall als Vorstufe für richtiges Handeln gelten.
• Wahrhaftigkeit d.h. weitgehende Übereinstimmung zwischen Sagen und Tun ist immer erstrebenswert, aber schwer zu erreichen.
**** Zitat Ende ****

Sorry, aber ich finde, das hört sich ganz ähnlich an wie meine Position (grins). Besonders treffend finde ich Nahu-Jacks Betonung des konkreten Handelns. Dieser wichtige Aspekt fehlte nämlich noch.

Gruß
Hel, die aus der Mitte des letzten Jahrhunderts

Freitag, 4. Juli 2008

Zur Datenschutzdiskussion

Im Prozess Viacom gegen Youtube (wobei Youtube mittlerweile Google gehört und damit dessen Datenbasis nutzt), hat es einen Eklat gegeben.

"[Z]wölf Terabyte Daten" wurden bereits über Usertätigkeiten gesammelt, eine Logdatei, die auch die IP-Adressen des jeweiligen Anwenders beinhaltet. Zusammen mit dem deutschen Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung könnte das tatsächlich den vielbeschworenen gläsernen User erzeugen. Negativ?

Die Konsequenz könnte sein, dass man sich ab sofort auch im Internet an Gesetze halten muss, so wie Copyright, und Pornoseiten Probleme bekommen könnten... Oder doch eigentlich positiv?

Donnerstag, 3. Juli 2008

Eine Unterhaltung in Skype

Hel: mir gehen die argumente aus

Robert : tja, so ist das, wenn man die seite mit den schwächeren argumenten vertritt ;)

Hel : na, ich könnte schon noch die harten geschütze auffahren, aber das wär dann nicht mehr lustig und ich will dich ja nicht gefährden. ernst gemeint

Robert : ?

Hel : sekten, scientology, arabische Sachen etc.

Robert : du glaubst, skype ist da sicher?

Robert : fahr nur auf, könnte spannend werden... inwiefern hältst du das thema für gefährdend?

Hel : nur dort, wo (in deinem Fall ungerechtfertigte) unterstellungen geäußert und verbreitet würden. egal ob die einen realen Hintergrund haben.

Robert : der gefahr setzt sich jeder aus, dazu muss er nicht einen blog führen. Der blog könnte (in meinem Fall) sogar eher dagegen wirken.

Hel : inwiefern?

Robert : naja, jemand der nicht repräsentiert ist, hat auch keine Plattform auf der er sich auf derselben ebene äußern kann. durch einen originalblog kann sich außerdem jeder sein bild verschaffen. Entstellung oder nicht, das Dokument liegt so vor, wie ich es geschrieben habe

Hel : es geht nicht nur um deine Beiträge, sonder noch mehr um das Netz von Kontakten und die Links, die du im Blog hast. Woher kennst du die Hintergründe deiner friends so genau? weißt du, was jeweils dahintersteht?

Hel : vielleicht ist ein declaimer ne idee

Robert : Hm, da ist was dran

Robert : allerdings gehört das prinzipiell auch zu vertrauen

Hel : klar, dagegen kann und will ich garnichts sagen. ist ja auch irgendwie meine haltung

Robert : ich lasse mir nichts zu schulden kommen. Mich von - meiner ansicht nach guten Menschen - auf diese Weise zu distanzieren, könnte, um der Diskussion willen, auch als Verrat gewertet werden. Ich habe keinen grund, etwas schlechtes von ihnen anzunehmen

Hel : stimmt sicher und vermutlich sind die positiven wirkungen deiner globalen vernetzung weitaus größer, als die gefahren.

Robert : Das hoffe ich :)

Hel : nur, wenn du einen feind hättest, würde er dir ne menge ärger machen können. deine strategie ist halt, erst gar keine feinde zu haben, oder?

Robert : Ja, das trifft es ziemlich genau auf den Punkt!

Hel : unsere diskussion wird immer theoretischer. ich denke ohne neue impulse kommen wir nicht weiter. hab keine Munition mehr, die in den blog sollte. ein neuer Teilnehmer wär ne Bereicherung.

Robert : Ja, stimmt

Hel : was meinst du? sollen wir diesen skype-dialog in den Blog tun?

Robert : :) warum nicht

Robert : musst halt deinen Namen löschen, Hel, du Klatschreporterin

Hel: mach ich

Robert : ich glaube auf jeden Fall, dass diese Unterhaltung Teil der Diskussion ist... gehört dazu

Hel: ... und ich lade alle leser ein, an der diskussion teilzunehmen.

Ich existiere auch virtuell

Danke für deine Antwort. Du triffst mit deinen Argumenten schon das, was mich am Blogschreiben interessiert. Ich stelle meine Meinung öffentlich ins Internet, damit sie lesen kann, wer will. Ich stimme aber nicht mit dir überein, wenn du sagst, die Darstellung meiner persönlichen Seite sei "...kontraproduktiv für die argumentative Ebene."

Bei mir besteht ein starkes Bedürfnis danach, zu wissen, wer die Person ist, die etwas zu mir sagt. Es ist essentiell um ihre Argumente in den richtigen Kontext zu stellen. Ich lese einige Blogs und finde es unglaublich spannend und lehrreich, Menschen sich präsentieren und ihre Meinungen preisgeben zu sehen. Ich möchte ihnen an Offenheit nicht nachstehen und bin der festen Überzeugung, dass meine niedrige Verschlossenheit bei einigen die Akzeptanz für meine Botschaften erhöht. Die meisten können erkennen, dass ich womöglich sozialromantisch oder idealistisch und politisch eher grün bin. Das ist nichts, wofür ich mich schäme oder was ich als Waffe gegen mich für nutzbar erachte. Es ist gerade meine Verteidigung, denjenigen, die anderer Meinung sind, offen gegenüberzutreten. Ich sehe diese Feinde nicht, die in der Lage wären mir aus Gutmenschentum einen Strick zu drehen. Jeder, der mir auf argumentativer Ebene entgegentritt bekommt eine möglichst fundierte und sachliche Antwort. Wer sich in einem Kommentar für mich freut, weil ich wieder einmal gut drauf bin, bekommt eine liebevolle Antwort zurück.

"Manches geht die meisten Leute einfach nichts an."
Ja, ich kann schon verstehen, was du damit sagen willst. Ich selbst kenne Menschen, die lieber ihr Privates verschließen, um möglichst von anderen nicht "beurteilt" zu werden. Aber weißt du was? Wir werden alle beurteilt, und wir geben, auch wenn wir es nicht wollen, Informationen preis, die dazu dienen von uns entweder ein positives oder ein negatives Bild zu zeichnen. Menschen sind nuneinmal dazu veranlagt. Und sei es nur, dass man hinterher als verschlossen gilt ^^ Über dich weiß ich auch schon ein paar Sachen nur aus dem, was du mir geschrieben hast. Du sympatisierst mit meiner Meinung und scheinst meinen Blog mit Gewinn zu lesen. Das sagt etwas über dich aus, ob du es nun so formulierst oder nicht...

Mein Ansatz ist also, mich mit entblößter Brust vor die Kanone zu stellen und die Welt zu entwaffnen. Bin ich zu plakativ? Jedenfalls habe ich in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass es die jeweils eigene Entscheidung ist, wieweit man sich duch "Bilder, die andere von uns haben" in seinem Handeln beschränken LÄSST und ob man sie "wie zu enge Kleider" erlebt.
Ich gebe zu, dass ich wenig Kontrolle darüber habe, an welcher Stelle in meinem Leben mir das Tanzen auf der Bar irgendwie wieder vorgehalten wird. Dasselbe gilt allerdings auch für die Realität, denn woher soll ich wissen, wer damals in der spanischen Bar persönlich anwesend war? Und egal, ob es wieder auftaucht, ich kann heute nicht sagen, ob es mir eher positiv oder eher negativ angerechnet wird. Ist es nicht eine Herausforderung, sich für alles, das man tut wirklich vor der Welt verantwortlich zu fühlen?!

Also lebe ich mein Leben, forme eine virtuelle Person neben der rein natürlichen und trage dabei vielleicht etwas zum Bewusstsein bei, dass Vertrauen über Angst siegt.

Achja, was die verschiedenen Ebenen der Öffentlichkeit angeht:
Meine Liebesbriefe gehen niemanden etwas an, ich veröffentliche sie nicht, weil sie aus dem Vertrauen zwischen genau zwei Menschen entstanden sind.
Ausgewählte Personen durften sogar mein (gebundenes Papier-)Tagebuch lesen, von denen ich weiß, dass sie mich als Mensch niemals negativ verurteilen würden, weil sie mich bereits zu gut kennen. Es ist nur ein weiterer Vertrauensbeweis meinerseits.
Mein Blog enthält nur das, was ich persönlich gegenüber jedem vertreten kann und fest glaube. Da das Web nichts vergisst, brauche ich auch keine allzu große Angst zu haben, dass Tatsachen verdreht werden. Schließlich ist das Originalmaterial für jeden zugänglich.

Hier ziehe ich die Linie...

Wenn meine Selbstbestimmung, wie ich mich präsentiere, der Preis für Freiheit ist, dann bin ich nicht bereit, das als wirkliche (innere und äußere) Freiheit anzuerkennen.

Sonntag, 15. Juni 2008

Freiheit hat einen Preis

ah, da hast du mich aber schon etwas entwaffnet. Du weißt, wie sehr ich deine Haltung schätze, ja bewundere. Deine Argumente stechen aber nur, solange man die Ebenen der Öffentlichkeit vermischt.
Da gibt es, denke ich, die Ebene des Tagebuchs, also eines Ortes, dem man seine persönlichsten Dinge anvertraut, um sie zu dokumentieren oder auch zu verarbeiten. Das Tagebuch ist nicht öffentlich, es ist der Platz für das Intime, ähnlich wie ein Liebesbrief.
Dann ist da die Ebene der Meinungsverkündung, etwa wie ein Kommentar in der Zeitung. Der wiederum braucht Öffentlichkeit, sonst ist er sinnlos (oder als "Zustandsbeschreibung" à la Tagebuch nur für den Schreiber gedacht).

Daneben lassen sich vermutlich noch weitere Ebenen von Öffentlichkeit für Blogs finden. Egal. Wenn man nun diese Ebenen vermischt, kommt alles durcheinander. Der Leser deiner Meinungsäußerungen (Politik, Beziehungen, Filme etc.) erhält einen so tiefen Einblick in deine "Seele", dass er seine Meinung über deinen Standpunkt immer mit seiner Wahrnehmung deiner Person färben wird. Das ist für Freunde, die dich kennen ok, für Fremde aber nicht, es ist kontraproduktiv für die argumentative Ebene.
Stell dir mal vor, ein hochrangiger Politiker würde öffentlich so schreiben, wie du es in deinen anderen Blogs tust. Da erfährt man, wie du zu Weihnachten Kartoffelsalat mit Bruder und Vater machst (harmlos), was du an dir selbst besonders liebst (weniger harmlos) und wie du in Spaniens Bars auf den Tischen tanzt (nicht harmlos). Bilder gibts vielleicht auch noch dazu. Sagen wir also, du wärst Angela Merkel. Wie groß wäre dann die Gefahr, dass man dich mit verdrehten "Tatsachen" aus deinem "Tagebuch" auf politischer Ebene ausschaltet? Du wirst unwirksam. ... und das Web vergisst NICHTS!

Versteh' mich bitte so: Natürlich ist es wichtig, das Leben zu leben, das man propagiert. Nur dadurch ist man authentisch. Andererseits muss man oft auch das Fremdbild bewusst steuern und in den persönlichsten Bereichen für eine breite Öffentlichkeit wenigstens zu Lebzeiten unsichtbar bleiben. Wie du das mit guten Freunden und Familie hältst, ist wieder eine andere Sache. Dafür bietet so ein Blog ja z.B. die Möglichkeit geschlossener Benutzerkreise. Um es auf den Punkt zu bringen: Manches geht die meisten Leute einfach nichts an.

Freiheit durch Begrenzung? Ja! Denn die Bilder, die andere von uns haben sind wie zu enge Kleider. Je dichter diese Bilder werden, desto weniger Luft bekommst du. Manche legen es deshalb sogar darauf an, die "persönliche Geschichte" auszulöschen, um frei zu sein. Habe ich mal gelesen ;-) Das klingt vielleicht wie eine ganz andere Story, ist es aber gerade im Internet nicht.

Ich glaube dich gut zu kennen - auch aus deinen Blogs - und muss deshalb aufpassen, dass ich dich nicht durch mein Bild von dir begrenze (vermutlich kann ich das trotzdem nicht verhindern). Nicht jeder ist sich dessen aber bewusst, nicht jedem ist die Freiheit des Anderen wichtig.

Kurioser Weise hat unser Gespräch schon dazu geführt, dass du ein paar Bilder aus deinen Alben genommen hast. Auch für mich fühlt sich das erstmal als Begrenzung an. Ich finde es einfach schade, dass ich an diesen Stellen nicht mehr an deinem Leben teilhaben darf. Aber unter dem Strich ist es für dich die Chance, die Dinge deines Lebens ohne Einmischung von außen sich entwickeln zu lassen, bis sie reif sind für Öffentlichkeit, oder auch nicht. Freiheit eben!

Freiheit hat einen Preis.

Freu' mich auf deine Antwort!

Hel, die gluckenhafte Freiheitsdiebin

Freitag, 13. Juni 2008

Freiheit durch Begrenzung?

Es scheint mir ein großer Widerspruch zu sein, dass man sich gerade um frei zu sein einschränken muss. Ich nehme meine Freiheit eben dadurch wahr, dass ich mich nicht verstecke. Ich genieße es, die Möglichkeit zu haben, mich der Welt zu zeigen, so wie ich es will, und so wie ich bin! Was ich in meinen Blogs schreibe betrifft mein Leben, betrifft meine Ansichten, und alles was ich tue und sage kann ich vertreten und will ich nicht verleugnen.

Banken, Industrieunternehmen und Militärorganisationen, die meine eigenständige Art zu denken nicht akzeptieren können, interessieren mich als Arbeitgeber nicht. Ich glaube daran, dass ich um zu wirken, das heißt meine Ideen in der Welt zu verwirklichen, auch selbst so leben muss, wie ich es mir von anderen wünsche. Offen, ehrlich, vertrauensvoll und ja, auch etwas weltverbesserisch! Sozialromantik oder auch Idealismus ist nichts Verwerfliches, sondern meiner Meinung nach eher das Gegenteil. Misstrauen erschafft Misstrauen!

Macht etwas durchzusetzen kommt für mich aus meiner Persönlichkeit. Für mich lautet der Satz eher: Wer Wirken will braucht Mut! Wie soll ich rechtfertigen, dass mir andere Vertrauen und verlangen, dass sie mich verstehen, wenn ich ihnen dazu keine Informationen gebe. Ich versuche alles, mir keine Feinde zu machen, und wenn es dennoch jemand versucht, mir ein Bein zu stellen, dann bin ich als jemand, der nichts zu verbergen hat, noch immer in der besseren Situation.

Was die Folgen für andere angeht, so muss ich dir ein Stück weit Recht geben. Ich kann von niemandem verlangen, dass er dieselbe Offenheit wie ich an den Tag legt, weil er meine Meinung teilt. Wenn ich jemanden bei einem Treffen oder auf einer Reise fotografiert habe, und denjenigen dann online sichtbar ausstelle, dann hoffe ich, dass derjenige nichts zu verbergen hat, was womöglich nicht bei allen stimmt. Das kann ich nicht beurteilen und sollte vielleicht bei Einzelnen zurückhaltender sein.

Ich schreibe aber auch nichts Nachteiliges oder Gemeines und stelle keine kompromittierenden Fotos aus. Ich muss auch bemerken, dass die allermeisten meiner Freunde bereits sehr offen im Internet vertreten sind. Sie sind per Facebook oder Blog vertreten und viele stellen Fotos und Kommentare aus, was mir zeigt, dass sie die virtuelle Welt ähnlich behandeln, wie die reale. Sie gehen unter Leute, denn nichts anderes ist es, wenn man im Internet auftritt (daher auch das Wort "Internetauftritt").

Wenn ich online etwas schreibe, dann ist das ein Gesprächsangebot an jeden, der das sieht. Wieso sollte ich lieber unsichtbar bleiben? Ich bin gespannt auf deine Antwort! Sei ruhig offen, ich bin nämlich weder mies noch eifersüchtig, aber das weißt du ja bereits...


PS: Ich und langweilig? Lass dir was Besseres einfallen ;-)

Donnerstag, 12. Juni 2008

„Viele Menschen merken erst später, was sie anrichten“

Das o.g. Zitat von einem Kommentator auf der in deinem letzten Beitrag verlinkten Seite "Exhibitionismus im Internet" finde ich wert, genauer darüber nachzudenken.
Dazu meinen Input:
Das "Anrichten" hat mehrere Aspekte: 1. Anrichten für sich selbst, 2. Anrichten für Andere.

zu 1.: Ich nehme mal an, du hast mit der Veröffentlichung deines Tagebuchs, um nichts anderes handelt es sich ja bei deinem Blog (vermute, du hast sogar mehrere ;-)) dich bewusst entschlossen, die Welt an deinen Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben zu lassen. Das verstehe ich natürlich, wenn es sich bei deinen Lesern um gute Freunde und Familie handelt. Was treibt dich aber in die globale Öffentlichkeit und damit in das Risiko, dass man dein Profil schamlos ausnutzt, verfremdet, gegen dich verwendet. Ich kenne dich aus deinem persönlichen Blog mittlerweile so gut, dass ich dich ohne Weiteres als "Sozialromatiker" identifiziere, der z.B. in einer Bank, einem Industrieunternehmen, beim Militär sich ständig verleugnen müsste, um in eine Position zu kommen, die ausreichend Macht bietet, um die angestrebten Veränderungen zu bewirken. Versteh mich bitte so: Nicht deine Haltung verhindert so einen Weg, sondern deine sofortige Durchschaubarkeit, noch bevor du zum Zuge kommst. Meine vielleicht etwas plakativen Thesen dazu:
  • Wer frei sein will, muss unsichtbar bleiben.
  • Wer wirken will, braucht Macht.
  • Macht braucht gesteuerte Öffentlichkeit.
  • Menschen ohne Geheimnis werden angreifbar und schnell langweilig für Andere.
zu 2.: Jetzt kenne ich deine Freunde, deine Familie, deine Aufenthaltsorte. Willst du das wirklich? Hast du diese Menschen gefragt, ob sie in deiner persönlichen Boulevardzeitung namens Picasaweb auftauchen wollen? Was, wenn ich ein mieser eifersüchtiger Typ wäre, der das Web nutzt, um dich fertig zu machen, deine Freunde mit hineinzieht. Willst du dieses Risiko für deine Freunde wirklich eingehen?

Das sind nur so'n paar Gedanken, um unser Gespräch in Gang zu bringen. Nimm kein Blatt vor den Mund, ich bin nicht empfindlich!

Hel, die gutmeinende "Bild"-Journalistin

Sonntag, 8. Juni 2008

Wer bin ich im Internet?

Wenn ich in meinen Blog schreibe, tue ich das aus verschiedenen Gründen. Es ist eine Methode um Kontakt mit Bekannten und Freunden zu halten, indem man sie informiert, was man gerade erlebt hat. Es kann auch eine Plattform sein um Bücher oder Filme zu empfehlen, oder im glossenhaften Stil aktuelle Meldungen zu kommentieren. Viele nutzen ihren Blog um sich selbst und ihre Gedanken öffentlich zu äußern. Ich habe von allen diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht und hoffe, dass meine Blogs für den einen oder anderen interessant waren und sind. Auch ich habe viel aus fremden Blogs gelernt und lese einige von ihnen weiter täglich.
Vor Kurzem wurde ich einer Diskussion wieder darauf aufmerksam, was unter dem Schlagwort "Exhibitionismus im Internet" in den deutschen Medien behandelt wird. Es handelt sich dabei um eine Diskussion zum Datenschutz und zur Bereitschaft vieler, vor allem junger Internetbenutzer, sich mit vielen persönlichen Details im Internet "auszustellen".

Ich fühle mich nicht als Exhibitionist! Ich fühle mich als aufgeklärter und dabei bewusst offener Nutzer meiner Möglichkeit zum Kontakt mit den anderen Usern von Communities und den Lesern meines Blogs. Ich profitiere davon, meine Meinung und mein Wissen in beinahe periodistischer Form in meinem Blog niederzulegen und auf der anderen Seite in Facebook oder StudiVZ mit meinen weltweit verstreuten Freunden in Kontakt zu bleiben.
Ich frage mich, wo ist die große Gefahr, die ich damit eingehe, wenn ich bewusst als Person im Internet präsent bin?